Der ICAN Nordhausen ist traditionell nicht nur die Bühne für bereits arrivierte Profi- Triathleten, die „Today´s champions“, wie in der Vergangenheit Georg Potrebitsch, Per Bittner, Mareen Hufe, Katja Konschak und in diesem Jahr Christian Kramer, sondern bietet auch jungen, aufstrebenden Eliteathleten die Chance, sich ins Rampenlicht zu schieben und auf sich aufmerksam zu machen. Nachdem dies im letzten Jahr Simon Schwarz gelang, der damals noch als Amateur startend die Profis bezwang, zählen in diesem Jahr Sebastian Guhr (27/Dresden) und Marcus Wöllner (28/Leipzig) zu den Herausforderern von Topfavorit Kramer und Vorjahressieger Schwarz.

Für Sebastian Guhr ist es bereits der dritte Start in Folge im Südharz, so dass der rad- und laufstarke Sachse dem fachkundigen Nordhäuser Publikum mittlerweile schon ein Begriff ist. Dabei möchte er in diesem Jahr am liebsten an seine Premiere-Leistung in der Rolandstadt anknüpfen, denn während er bei der letzten Austragung aufgrund eines Raddefektes aussteigen musste, wurde er 2015 starker Dritter knapp eine Minute hinter Sieger Peter Seidel. Auch wenn er im Kampf um die Podestplätze andere in der Favoritenrolle sieht, möchte der Schützling von Trainer Thomas Weber wieder angreifen: „Wenn ich eine Chance auf eine Topplatzierung sehe, werde ich diese natürlich versuchen zu nutzen. Ich komme nicht nur, um ein schönes Rennen zu absolvieren, sondern möchte auch selbst Akzente setzen. Mit einem guten Lauf ist vieles möglich.“

Die Vorzeichen dafür sind auf jeden Fall ausgezeichnet, denn der für den OSSV Kamenz startende Profi-Athlet machte in diesem Jahr nochmals einen Sprung nach vorne. Den traditionellen Schlosstriathlon in Moritzburg gewann der Softwareentwickler nicht nur, sondern verbesserte seine Zeit von vor zwei Jahren um über zehn Minuten und stellte in 3:56:00 Stunden auch eine neue persönliche Bestzeit über die Mitteldistanz (1,9 km Schwimmen, 90 km Radfahren, 21,1 km Laufen) auf. „Genau das war mein Ziel. Seitdem läuft es richtig gut“, so Guhr, der noch die Plätze acht und fünf beim Dresdner City Triathlon sowie dem Leipziger Triathlon folgen ließ: „Im Training klappt es momentan wirklich gut. Ich bin optimistisch für die zweite Saisonhälfte.“ Diese wird durch den ICAN eingeläutet und findet drei Wochen später mit dem Ironman Wales ihre Fortsetzung. „Wales ist für sein anspruchsvolles Profil bekannt, hier möchte ich um die Top ten mitkämpfen. Daher passt mir die ebenfalls bergige Strecke in Nordhausen in der Vorbereitung perfekt in den Plan“, erklärt der Altersklassen-Europameister von 2014.

Ebenfalls schon ein alter Bekannter im Südharz ist der Leipziger Marcus Wöllner aus dem mitteldeutschen Pro Triathlon Team, der 2014 den neunten Platz belegte. Seit seinem letzten Start beim ICAN verbesserte sich der 28-Jährige deutlich und darf mittlerweile zur erweiterten deutschen Spitze über die Mitteldistanz gezählt werden. In diesem Jahr wurde er bereits Zwölfter der Challenge Rimini über die halbe Ironman-Strecke und Vierter des Dresdner City Triathlons. Einen kleinen Wehmutstropfen stellt das bisherige Saisonhighlight, die Challenge Roth, dar: Nachdem der gebürtige Plauener lange Zeit gut im Rennen lag, musste er auf der Laufstrecke aufgrund von Problemen mit der Ernährung vorzeitig aufgeben. „Die in Roth noch gemachten Fehler möchte bei der nächsten Langdistanz abstellen. Deshalb werde ich Ende September noch den Ironman Italien bestreiten“, blickt Wöllner, der mit einer Zeit von unter 8:30 Stunden liebäugelt, auf den weiteren Saisonverlauf voraus. Langfristig strebt der Lehramtsstudent an, sich weiter international zu etablieren: „Ich
möchte mich über die Mitteldistanz in den kommenden Jahren weiter verbessern und den nächsten Schritt machen.“

Den Anfang würde er am liebsten schon in Nordhausen machen. Nachdem er bei seinem ICAN-Debüt nur Neunter wurde, befindet er sich jetzt „auf einem ganz anderen Leistungsstand als noch damals“. Am Sonntag greift Wöllner, der von Wolfram Bott trainiert wird, das Podium an: „Es ist ein regionales Rennen, was ich gerne unterstütze. Wenn es in den Rennkalender passt, nehme ich es gerne mit. Ich mag es, wenn ich die Strecke schon
kenne und einschätzen kann, was mich erwartet. Die Laufstrecke wird wieder ein Kampf. Trotzdem sind die Top drei das Ziel.“ Wie schon vor drei Jahren wird der Sachse wohl als einer der Führenden gemeinsam mit seinem Trainingspartner und Topfavorit Christian Kramer aus dem Sundhäuser See steigen. „Ich hoffe, dass ich mit Christian das Schwimmen beende und wir auf dem Rad Simon Schwarz etwas distanzieren können, da er beim Laufen sehr stark ist. Vielleicht gelingt es mir auch, Christian beim Radfahren Paroli zu bieten – das kommt auch auf die Tagesform an“, blickt Wöllner voraus.

Zwar ist die Voranmeldung für den ICAN seit dem gestrigen Monat geschlossen, eine Nachmeldung für beide Rennen aber sowohl Freitag, Samstag und Sonntag bis eine Stunde vor dem Start (7:00 Uhr) noch möglich.