Nach EM-Silber zählt die Thüringerin auf viele Stimmen aus dem Triathlonlager

Bis zum 10. Dezember läuft die Wahl zur Thüringer Sportlerin des Jahres. Unter den Kandidatinnen ist mit der Nordhäuserin Katja Konschak erstmals auch eine Triathletin. Im Interview spricht die zweifache Mutter über ihr Verletzungspech in der Vorbereitung, die erfolgreiche Saison, ihre Ziele für 2017 und die Zeit nach ihrer Profi-Karriere. Bei der Sportlerwahl möchte sie „zumindest nicht Letzte werden“ – und vielleicht kann sie ähnlich wie bei ihrem Weg zur EM-Silbermedaille in Frankfurt 2016 auch die favorisierten Damen um Bahnradfahrerin Kristina Vogel oder Radsportlerin Trixi Worrack etwas ärgern.

Deutsche Langdistanz-Meisterin in Frankfurt, EM-Silber, Dritte beim Ironman UK, der Sieg beim heimischen ICAN Nordhausen und der erneute Start auf Hawaii – kann man die Saison als bisher erfolgreichste bezeichnen?
Angesichts des Ergebnisses in Frankfurt kann man schon sagen, dass es die beste Saison war, die ich je hatte. Allerdings war sie aufgrund der Verletzung im Frühjahr nicht so unendlich lang und ich habe weniger Wettkämpfe absolviert als im Vorfeld eigentlich geplant. Die vier Monate in denen ich dann Rennen bestritt, waren sicherlich sehr erfolgreich.

Eigentlich waren im Januar und April noch zwei Rennen in Südafrika geplant, die Sie dann aufgrund einer gebrochenen Hand absagen mussten. Anschließend sechs Wochen Gips – hätten Sie im Mai noch an solch ein starkes Rennen in Frankfurt und die Hawaii-Qualifikation geglaubt?
Nein, auf keinen Fall. Mit dem Sturz im April, der Diagnose und der anschließenden Operation war für mich die Saison gedanklich bereits gelaufen. Meine Hoffnung war, wenn alles gut verläuft, vielleicht noch einen Ironman im Herbst zu absolvieren. An eine Teilnahme in Frankfurt war zu diesem Zeitpunkt nicht zu denken. Letztlich bin ich dann nach dem Motto „probieren geht über studieren“ trotzdem gestartet – zum Glück mit Erfolg.

Worauf führen Sie zurück, dass es trotz des Trainingsausfalls in Frankfurt im Juli über die Ironman-Strecke von 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42 km Laufen zum Vize-Europameistertitel gereicht hat?
Zum einen lag es an der Grundlage. Bis zu meinem Sturz im April trainierte ich schließlich auch für einen Ironman und brachte eine komplette Ironman-Vorbereitung hinter mich. Zum anderen konnte ich trotz der unfreiwilligen Pause immer noch ein wenig trainieren, sodass ich es geschafft habe die Form zu konservieren und innerhalb weniger Wochen wieder aufzubauen. Da trotz der Verletzung noch eine gute Grundform da war, hat es nicht solange gedauert, um das alte Niveau wieder zu erreichen. Normalerweise sind sieben Wochen für eine gute Ironman-Vorbereitung zu wenig.

Vor allem auf dem Rad, Ihrer langjährigen Wackeldisziplin, lief es in diesem Jahr erstaunlich gut.
Ich fühle mich wohler auf meinem neuen Fahrrad. Auch das umfangreiche Wintertraining auf dem Ergometer, aufgrund meiner Verletzung länger als ursprünglich geplant bis in den Mai hinein, hat geholfen. Schon in den letzten Jahren haben wir das umgesetzt, es braucht aber natürlich Zeit, bis man die Resultate sieht.

Bei der Ironman-WM auf Hawaii im Oktober gelang es Ihre bisherige Hawaii-Bestzeit auf 10:15:52 Stunden zu verbessern. Komplett zufrieden waren Sie mit dem 31. Platz aber trotzdem nicht?
Es war bei weitem noch nicht das optimale Rennen. Wenn man Zweite in Frankfurt war, ist der 31. Platz auf Hawaii nicht unbedingt das, womit man zufrieden sein kann. Das Schwimmen in der großen Spitzengruppe war überraschend gut, damit hätte ich selbst nicht gerechnet. Beim Radfahren lief es von Anfang nicht wirklich rund, ich hatte trotzdem noch Hoffnung, beim Laufen Boden gut machen zu können. Dort bin ich mit der Hitze aber wirklich gar nicht klargekommen.

Konnten Sie schon herausfinden, wieso es auf Hawaii beim Laufen diesmal so schwierig war und Sie etwa 40 Minuten langsamer als in Frankfurt waren?
Wir wissen es nicht ganz genau, aber wir vermuten, dass es noch am Jetlag lag und sieben Tage Anpassung zu kurz für mich sind. Bei allen Rennen mit großer Zeitverschiebung und relativ kurzer Anpassungszeit hat es in letzter Zeit nicht wirklich gut geklappt, obwohl es sich im Training vorher besser anfühlte. In Punkto Zeitumstellung ist jeder Mensch anders. Nach Hawaii sind es zwölf Stunden und eine Faustregel besagt, dass man pro Stunde einen Tag benötigt – wir hatten sieben, was vielleicht zu wenig ist, um Höchstleistungen zu erbringen. Sollte ich mich noch mal für Hawaii qualifizieren, würde ich auf jeden Fall eher anreisen.

Gibt es schon Pläne für die kommende Saison?
Höhepunkt soll wieder der Ironman Frankfurt im Juli sein. Außerdem möchte ich das, was in diesem Jahr nicht geklappt hat, noch mal in Angriff nehmen und im Januar beim Halb-Ironman sowie im April über die volle Distanz in Südafrika starten. Sollte alles optimal laufen, wäre die erneute Hawaii-Qualifikation also das i-Tüpfelchen.

Sind Sie nach dem Ironman Hawaii Anfang Oktober schon wieder in das Training eingestiegen?
Ich habe nach Hawaii eine für Körper und Kopf wichtige Pause gemacht, bin aber früher eingestiegen als nach meinen vorherigen Hawaii-Teilnahmen. Nach zwei Wochen reduziertem Training ging es langsam wieder los. Vieles trainiere ich in der kalten, dunklen und rutschigen Jahreszeit zuhause auf dem Rad- und Schwimmergometer. Bis zum Halb-Ironman Südafrika Anfang Januar sollte die Form wieder da sein.

Wie viel Zeit investieren Sie in das Training? Sind Sie Vollzeit-Profi?
Aktuell bin ich Vollprofi und das soll, Stand heute, auch 2017 so bleiben. Nachdem ich im letzten Jahr eher ans Aufhören dachte, möchte ich es nun noch mal als Profi probieren. Es ist auf jeden Fall einfacher als nebenbei berufstätig zu sein. Allerdings habe ich auch nicht den ganzen Tag Zeit, da ich am Nachmittag natürlich noch auf unsere Kinder aufpasse.

Viele Triathleten suchen auch als Amateur den Weg nach Hawaii. Ist auch das, nach ihrem Profi-Dasein, irgendwann ein Ziel?
Solange ich in Frankfurt noch auf das Podium kommen kann, habe ich bei den Amateuren nix verloren. Wenn ich mal aufhöre als Profi, werde ich sicher ein paar Jahre nicht unbedingt einen Ironman bestreiten wollen. Es wird schon eine Pause geben und ich werde vielleicht in der AK50 wieder versuchen, mich erneut für Hawaii zu qualifizieren. Der Fokus wird dann natürlich auf anderen Dingen liegen. Ich möchte Vollzeit arbeiten gehen und auch die Kinder werden größer.

Sie wurden in diesem Jahr als eine der Kandidatinnen für die Wahl zur Thüringer Sportlerin des Jahres vorgeschlagen. Welchen Stellenwert hat diese Nominierung?
Ich war schon etwas überrascht, da sonst oftmals natürlich die Radsportler, Wintersportler und Leichtathleten im Fokus stehen. Deshalb ehrt mich das natürlich besonders. Ich habe mich sehr gefreut unter den besten Acht zu sein. Ich lasse mich überraschen was am Ende dabei herauskommt, nur Letzte würde ich ungern werden wollen. Kristina Vogel wird als Doppelolympiasiegerin natürlich nicht zu schlagen sein und die anderen Damen werden, ähnlich wie beim Ironman in Frankfurt, um die restlichen Plätze konkurrieren. In Frankfurt hat es letztlich zum zweiten Platz gereicht, vielleicht geht es ja doch ähnlich weit nach vorne.

Die Abstimmung für die Nordhäuser Triathletin Katja Konschak ist online bis zum 10. Dezember unter
www.ball-des-thueringer-sports.de möglich.