Unser „Orthim Triathlon Team“ Triathlet Markus Liebelt absolvierte am 21. August 2016 seine erste Langdistanz beim IRONMAN Copenhagen. In einer Zeit von 08:42:37h erkämpfte er sich einen starken 10. Platz. Mit diesem Ergebnis ist er für seine Langdistanzpremiere zufrieden. Wie es ihm im Rennen erging, lest ihr in seinem Blog.

Drama mit Happy-End… so würde ich wohl auf “Beschreibe deine erste Langdistanz in drei Worten!” antworten.

Jetzt bin ich also auch ein “IRONMAN”. Nach genau 8:42:37 h habe ich am Sonntag als 10. Profi das Ziel im wunderschönen Kopenhagen überquert. Auf der einen Seite überglücklich, auf der anderen aber auch enttäuscht. Ich habe in dem Rennen, vor allem beim Laufen, eine Vielzahl von Emotionen durchlebt, die ich mit Worten gar nicht wiedergeben kann. Ich versuche es aber trotzdem:

Die Tage vor dem Rennen verliefen perfekt, die letzten Trainingseinheiten fühlten sich sehr gut an und dementsprechend zuversichtlich und motiviert ging es am frühen Sonntagmorgen in einem sehr starken Starterfeld mit ca. 30 Profis an den Start im Amager Strandpark.  Pünktlich 7 Uhr schickte uns der Startschuss in die mit Morgennebel bedeckte Lagune auf die 3,8 km lange Schwimmrunde.  Mein Plan war, mich an Dejan Patrcevic, einem kroatischen Profi, der in Zadar im Juni gewonnen hatte, zu halten. Dejan kenne ich schon seit meinem ersten Profi Rennen vor vier Jahren in Aarhus. Er ist ein sehr erfahrener Athlet auf der Langstrecke und wir verstehen uns richtig gut. Seine Schwimmzeiten lagen bei vergangenen Starts in Kopenhagen bei etwa 52 min. Das sollte passen…

Am Anfang war ich etwas im Gewühl eingekeilt und bin nicht so recht vom Fleck gekommen. Nachdem ich mich daraus gearbeitet hatte, habe ich eine Gruppe angeführt und sah die erste Gruppe vor mir langsam wegziehen. Dazwischen war noch ein einzelner Schwimmer zu sehen. Ich kam mittlerweile gut voran und es hat sich zügig und entspannt angefühlt. Ich kam dem einzelnen Schwimmer näher und erkannte, dass es Dejan war. Nach einer kurzen Tempoverschärfung war ich an ihm dran und setzte mich nach etwa zwei Kilometern vor ihn. Leider war zwischenzeitlich der Nebel so stark, dass man keine einzige Boje mehr sehen konnte und wir etwas vom richtigen Weg abgekommen sind. Das hat zwar etwas Zeit gekostet, im Endeffekt waren die 54 min Schwimmzeit dann aber doch in Ordnung.

Auf Platz 11 ging es zum Radfahren. Ich schlug ein kontrolliertes Tempo an und der Schnitt stellte sich bald jenseits der 40 km/h ein. Es lief gut! Ab ca. 40 km war ich in einer Dreiergruppe unterwegs. Leider beteiligte sich nur einer meiner beiden Mitstreiter in der ersten Runde ein paar Kilometer lang an der Führungsarbeit. Die meiste Zeit fuhr ich vorn und hielt das Tempo hoch. Ich machte einfach mein eigenes Rennen. Ich konnte meine Leistung konstant hoch halten und wurde auch in der zweiten Runde nicht langsamer. Nach einem ordentlichen Radsplit von 4:27 h für die 180 km kam ich nach insgesamt 5:24 h als 10. in die zweite Wechselzone. Dort saß mit Cameron Brown noch ein richtiger Superstar des Triathlons und rannte kurz vor mir los. Die Aussicht auf eine Top-Zeit und -Platzierung motivierte mich und ich hatte richtig Bock aufs Laufen!

Nach einer ausgiebigen Pinkelpause war der erste Kilometer etwas übermotiviert schon nach 3:35 min vorbei. Der zweite nach 3:46 min… Die Beine fühlten sich noch richtig gut an! Leider fing dann mein unterer Rücken an stark zu schmerzen. Da es an den Verpflegungsstellen nur Produkte von “High5” gab, ich aber, aufgrund guter Erfahrungen, die Hydrogels von “Powerbar” nutze, hatte ich mir alle Gels für die Laufstrecke in meine Rückentaschen gepackt.  (Dass dir jemand deine eigene Verpflegung zureicht war nicht erlaubt.) Das zusätzliche Gewicht am unteren Rücken störte nach 180 km Radfahren, fast komplett in Aeroposition. Ich hielt kurz an, warf alle Gels in einen Mülleimer, dehnte einmal kurz den Rücken und weiter ging’s. Die Schmerzen waren fast komplett weg. Ich konnte wieder locker ein paar Kilometer gut unter 4 min absolvieren und nahm an den Verpflegungsstellen Iso und Cola auf. Kurze Zeit später meldete sich mein Bauch und ich musste den ersten Dixi-Klo-Stopp einlegen. Von da an ging es abwärts. Ich fühlte mich leer, musste Gehpausen einlegen und alles was ich an Verpflegung aufnahm kam wenige Kilometer später wieder raus. Insgesamt saß ich fünf oder sechsmal auf einem Dixi.

An Aufgeben habe ich aber keine Sekunde gedacht. Dafür war ich schon zu weit gekommen und lag noch zu gut im Rennen. Meinen ersten IRONMAN wollte ich in jedem Fall ins Ziel bringen.

So wurde der Marathon zu einer unbeschreiblichen emotionalen Berg- und Talfahrt. Ich saß fast heulend in Dixis, dann lief es ein paar Kilometer wieder gut, dann konnte ich wieder nur gehen… Manchmal wurde mir aufgrund des fehlenden Zuckers schwindelig, nach ein paar Schlucken Cola ging es wieder, dann wieder aufs Dixi usw. usw. … Ich motivierte mich an der Zeit, denn bis zur 9-Stunden-Marke hatte ich noch viel Luft. Und an den Zuschauern! An jedem Meter der Laufstrecke wurde man bejubelt und angefeuert. Das war Wahnsinn! Ich wünschte, ich hätte es noch bewusster wahrnehmen können. Über die Position war mittlerweile der Überblick verloren gegangen.

Durch Cola und Banane bin ich schließlich wieder zu Kräften gekommen und auch mein Magen hatte sich beruhigt. So konnte ich auf den letzten 8 km nochmal Tempo aufnehmen und drei Profis überholen.

Im Ziel war ich froh, dass es vorbei war und nach diesem großen Kampf noch mit einem Preisgeld-Rang belohnt worden zu sein. Und dennoch enttäuscht, nachdem ich zwischenzeitlich so gut im Rennen lag und die Laufform ja super war/ist. Aber bei einem Rennen über diese Distanz muss eben alles passen. Und wie ich im Vorbericht schon geschrieben habe ist die Ernährung ein mit entscheidender Punkt. Meine Marathonzeit lag am Ende bei 3:15 h. Meine Garmin Uhr, die automatisch stoppt, wenn ich stehen bleibe, zeigte 3:03 h. Über 10 min habe ich also auf Toiletten verbracht…

Gestern, auf unserer langen Heimfahrt nach der Siegerehrung, habe ich natürlich viel überlegt und analysiert woran es gelegen haben könnte. Am Rad habe ich mich konsequent verpflegt, vielleicht etwas zu konsequent. Denn meine Gel-Flasche mit Kohlenhydraten für 4,5 h war schon nach gut 3 h leer. Da die Flasche schwarz ist, konnte ich den Füllstand nur erahnen.  Der Körper kann in einer bestimmten Zeit nur eine gewisse Menge an Kohlenhydraten aufnehmen und verarbeiten. Alles, was darüber hinaus geht, findet quasi unverdaut wieder den Weg nach draußen. Dazu dann noch das, für meinen Körper unbekannte, Isogetränk und man braucht nur noch eins und eins zusammen zählen. Ich werde versuchen aus diesen Fehlern zu lernen und es beim nächsten “Langen” besser zu machen.

Jetzt, zwei Tage danach, fühle ich mich schon wieder erstaunlich gut und frisch, was wohl doch eher am langsamen Marathon liegt. Ein paar Tage Ruhe werde ich mir noch gönnen um dann wieder behutsam ins Training einzusteigen. Mit dem IRONMAN 70.3 Weymouth in Südengland und dem IRONMAN Barcelona stehen noch zwei Rennen auf meinem Plan, auf die ich jetzt schon richtig Lust habe!

Ich denke, das reicht erstmal als Lesestoff und wird den einen oder anderen vielleicht schon langweilen. Ich werde in den kommenden Tagen noch ein paar Worte schreiben über all die Menschen, die mich so toll unterstützen und denen ich unheimlich dankbar bin. Aber das hat einen extra Beitrag verdient!