Neuralgien

Trigeminusneuralgie

Heftige, blitzartig einschießende Schmerzen, die oft nur Sekundenbruchteile andauern – danach folgt eine beschwerdefreie Zeit ohne jegliche Symptome. So beschreiben die meisten Betroffenen von einer Trigeminusneuralgie ihre Erkrankung und die daraus resultierenden Schmerzen. Im Mittelpunkt der Beschwerden steht der Trigeminusnerv, der durch Schädigungen und bestimmte Reize starke, meist einseitig auftretende Gesichtsschmerzen verursacht. Die Ursachen der Trigeminusneuralgie sind bei dieser häufig auftretenden, klassischen Form der Erkrankung nicht eindeutig geklärt. Bei der symptomatischen Variante liegt eine nachweisbare Störung des Nervus Trigeminus infolge von Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Tumoren zugrunde.

Manche Patienten sind nur einmal in ihrem Leben von einer Attacke betroffen, bei anderen kehren die Schmerzen immer wieder – im Abstand von Jahren, Monaten oder sogar nur Tagen. Es gibt zum heutigen Zeitpunkt noch keine bestimmte Trigeminusneuralgie-Therapie, sondern lediglich Ansätze, welche die Schmerzepisoden verringern oder abschwächen können. Dazu gehören neben Medikamenten auch operative Maßnahmen, die allerdings nur in schweren Fällen in Betracht gezogen werden. Jedoch gibt es auch das ein oder andere Hausmittel, welches Linderung verspricht. Wir stellen Ihnen diese in unserem Ratgeber vor.

 

Was ist die Trigeminusneuralgie?

Ursachen der Trigeminusneuralgie

Symptome

Diagnose

Trigeminus-Behandlung

 

Krankheitsbild: Was ist die Trigeminusneuralgie?

Der Begriff "Trigeminusneuralgie" setzt sich aus "Trigeminus" ("Drilling") und "Neuralgie" ("Nervenschmerz") zusammen. Mit ihm wird eine der stärksten Formen von Nervenschmerzen umschrieben, die im Gesicht auftreten. Der sich dort befindende Trigeminusnerv ist der fünfte Hirnnerv und verursacht den Schmerz. Er betrifft jene Gesichtsbereiche, die von dem Nerv versorgt und beeinflusst werden – das sind der Stirnbereich sowie der Ober- und Unterkiefer.

 

Trigeminusnerv als Schmerzquelle

Der Trigeminusnerv bildet jeweils rechts und links einen Nervenknoten innerhalb des Schädels. Wie sein Name, der übersetzt "Drillingsnerv" bedeutet, bereits vermuten lässt, ist er für drei Bereiche zuständig: Den Augenbereich, den Oberkiefer und den Unterkiefer. Jeweils ein so genannter "Trigeminusast" übermittelt bestimmte Empfindungen des jeweiligen Gesichtsbereichs an das Gehirn – der Erste ist zuständig für die Impulse von Stirn, Stirnhöhle und Augenbereich, der Zweite kümmert sich um jene von Oberkiefer, Wangenbereich und Zähnen und der Dritte steuert die Empfindungen in der Region des Unterkiefers. Für die Kaumotorik spielt der Trigeminusnerv ebenfalls eine wichtige Rolle: Werden diese Empfindungen durch Druck, Reize oder Schädigungen gestört, gibt der Nerv einen Schmerzimpuls an das Gehirn ab – so entstehen die charakteristischen Gesichtsschmerzen.

 

Betroffene der Trigeminusneuralgie

Nur sehr wenige Menschen sind von einer Trigeminusneuralgie betroffen – in Deutschland trifft es etwa vier von 100.000 Personen. Überwiegend erkranken Menschen ab dem 40. oder 50. Lebensjahr, Frauen trifft es in der Regel häufiger als Männer: Auch aufgrund der allgemein höheren Lebenserwartung von Frauen liegt das Verhältnis bei 1,5:1 in Bezug auf weibliche Betroffene.

Die Trigeminusneuralgie wird in zwei Formen differenziert. Herauskristallisiert haben sich hierbei die klassische und die symptomatische Variante – diese werden später genauer erläutert. Die klassische Form der Erkrankung kommt deutlich häufiger vor als die der symptomatischen Variation. Dafür sind Patienten mit einer symptomatischen Trigeminusneuralgie allerdings durchschnittlich jünger als Patienten mit einer klassischen Form.

 

Ursachen der Gesichtsschmerzen

Generell wird davon ausgegangen, dass Irritationen des Trigeminusnervs für die Gesichtsschmerzen verantwortlich sind, zum Beispiel durch veränderte Blutgefäße, die Druck auf den Nerv ausüben. Ob sich ein akuter Schub der Trigeminusneuralgie auf Stress zurückführen lässt, ist nicht eindeutig festzustellen – weitere Faktoren wie beispielswiese die Wirkung von äußeren Reizen können diesbezüglich ebenfalls eine Rolle spielen.

Klar zu diagnostizieren ist jedoch eine zugrunde liegende Erkrankung der Trigeminusneuralgie – diese kann dann zu den bereits erläuterten, starken Gesichtsschmerzen führen. Eine akute Kopfverletzung kann beispielsweise eine solche Erkrankung sein. Aber auch ein Gehirntumor oder Krankheiten wie die Multiple Sklerose werden diesbezüglich in Betracht gezogen. Wird eine solche Grunderkrankung gefunden, handelt es sich um die Form der symptomatischen Trigeminusneuralgie. Wenn nicht, ist der Patient von der klassischen Trigeminusneuralgie betroffen, die häufiger in Erscheinung tritt.

frau gesichtsschmerzen

Symptomatische Trigeminusneuralgie: Gesichtsschmerzen durch Grunderkrankung

Eine eindeutige Ursache für Gesichtsschmerzen können Krankheiten sein: Die Multiple Sklerose sorgt mitunter für eine Entzündung des Trigeminusnervs. Eine solche Entzündung kann in einer Schädigung im Bereich der Nervenwurzel resultieren und die starken Gesichtsschmerzen auslösen. Diese treten meist beidseitig, also auf beiden Gesichtshälften, auf.

Auch Schlaganfälle, Missbildungen der Gefäße (z.B. Aneurysmen) oder eine mangelhafte Durchblutung führen mitunter zu einer Trigeminusneuralgie. Weiterhin können Hirntumore verantwortlich sein. Diese müssen nicht einmal bösartig sein; ein Beispiel für einen gutartigen Hirntumor, der Gesichtsschmerzen verursachen kann, ist das Akustikusneurinom. Der Tumor drückt auf den Trigeminusnerv und betrifft dementsprechend den Hörnerv oder den Gleichgewichtssinn. Durch den gegenseitigen Druck werden Schmerzen ausgelöst. Dasselbe Phänomen ist aber auch bei Metastasen anderer Tumore möglich.

Infobox: Krankheitsbild der symptomatischen Form

Bei der symptomatischen Trigeminusneuralgie sind meist alle drei Äste des Nervs betroffen, vorwiegend der im Bereich der Augen- und Stirnhöhle. Zudem können beide Gesichtshälften schmerzen – schmerzfreie Phasen sind selten. Zusätzliche Symptome wie ein Taubheitsgefühl im Gesicht oder ein Kribbeln auf der Haut können sich ebenfalls bemerkbar machen.

 

Klassische Trigeminusneuralgie: Gesichtsschmerzen ohne klare Ursache

Findet der Arzt keine Grunderkrankung, welche die plötzlich auftretenden Gesichtsschmerzen erklärt, handelt es sich um eine klassische bzw. idiopathische Trigeminusneuralgie. Wahrscheinlich sind neben dem Trigeminusnerv befindliche Blutgefäße ursächlich für die Schmerzen, da sie auf den Nerv Druck ausüben und dessen Ummantelung schädigen. Warum das so ist, ist unklar.

Ein möglicher Risikofaktor für diese Form der Trigeminusneuralgie ist die Arteriosklerose - durch diese verdicken sich die Arterienwände und begünstigen einen direkten Kontakt zwischen Trigeminusnerv und Blutgefäßen.

Infobox: Krankheitsbild der klassischen Form

Die klassische Trigeminusneuralgie führt zu meist einseitigen Gesichtsschmerzen, die in unregelmäßigen Attacken auftreten und zwischenzeitlich von beschwerdefreien Phasen gekennzeichnet sind. Besonders häufig sind der zweite oder dritte Trigeminusast betroffen, was  Schmerzen von Ober- und Unterkiefer erklären kann. Ein mögliches Begleitsymptom kann eine zuckende Gesichtsmuskulatur sein. Nach wenigen Sekunden sind die Schmerzattacken meist vorüber und bleiben mehrere Tage, Wochen oder Monate aus.

 

Trigeminusneuralgie: Symptome

Leitsymptom der Trigeminusneuralgie sind die Gesichtsschmerzen, die schlagartig beginnen und nach wenigen Sekunden bis maximal zwei Minuten wieder vorüber sind. Patienten beschreiben sie als stechend, elektrisierend oder brennend. Überwiegend lassen sich die Schmerzen auf den Bereich des Ober- und Unterkiefers begrenzen, meist treten sie auch nur auf einer Gesichtshälfte auf. Seltener sind Augen- und Stirnbereich oder beide Gesichtshälften betroffen. Die Attacken treten je nach Intensität und Ausprägung bis zu 100 Mal am Tag auf und werden zu den heftigsten Schmerzformen überhaupt gezählt.

Begleitende Trigeminusneuralgie-Symptome sind bei der klassischen Form meist Muskelzuckungen, bei der symptomatischen Form kann auch ein Kribbeln oder Taubheitsgefühle im betroffenen Bereich auftreten. Generell kann sich das Gesicht röten oder Tränen beginnen spontan zu fließen. Auch treten mitunter bei der Trigeminusneuralgie Zahnschmerzen auf.

 

Auslöser der Symptome von Trigeminusneuralgie

In vielen Fällen treten die Symptome der Trigeminusneuralgie ohne Vorwarnung und ohne einen speziellen Auslöser auf. Manchmal werden sie auch durch vermeintlich harmlose Berührungen der Gesichtshaut verursacht. Ebenso können witterungsbedingte Einflüsse wie starker Wind an der Haut eine Attacke begünstigen.

Sprechen, Kauen, Schlucken oder Zähneputzen sind ebenfalls mögliche Trigger für einen Schub der Trigeminusneuralgie. Dass die auslösende Ursache Stress sein kann, ist auch denkbar: Starke emotionale Anspannung kann sich in physische Anspannung wandeln und dementsprechend Nervenschmerzen hervorrufen. Hier geraten Betroffene schnell in einen Teufelskreis der Trigeminusneuralgie –  die Ursache Stress löst immer wieder neue Attacken aus, die wiederum starke Anspannung und Verstimmungen sowie Angstgefühle mit sich bringen.

 

Verlauf der Erkrankung

Rund 29 Prozent der Betroffenen erleben nur einen einmaligen Anfall der starken, elektrisierenden Gesichtsschmerzen. Danach tritt die Trigeminusneuralgie nicht mehr in Erscheinung. Andere Betroffene (etwa 21 Prozent aller Patienten) klagen über mehrere Attacken in den ersten Jahren nach dem Auftreten des ersten Anfalls. Umgekehrt gibt es Menschen, deren Schmerzintervall sich langsam steigert.

Die quälende Frage, wie lange es bis zur nächsten Attacke dauert, steht immer in Zusammenhang mit dem jeweiligen Patienten und seiner individuellen Lebensweise. Manchmal liegen mehrere Jahre oder Monate zwischen den Schmerzanfällen, manchmal sind es nur Wochen, Tage oder sogar Stunden. Eine Heilung ist nicht möglich, jedoch gibt es verschiedene Ansätze zur Reduzierung der Schmerzen.

 

Diagnose

Der erste Ansprechpartner für die Diagnose einer Trigeminusneuralgie ist in der Regel der Hausarzt. Dieser wirft zunächst einen Blick in die Krankengeschichte und stellt Fragen zur Art, Häufigkeit und Lokalisation der Schmerzen. Es erfolgt eine Differenzierung zwischen dem Druck auf den Trigeminusnerv und einer Migräne, ebenso wie die Überprüfung von möglichen Kieferproblemen oder Zahnschmerzen. Außerdem soll geklärt werden, ob neben der Schmerzattacke andere Symptome aufgetreten sind. Vermutet der Hausarzt eine andere Erkrankung, können die folgenden Ansprechpartner der Augenarzt, HNO oder Kieferorthopäde sein. Steht hingegen der Verdacht einer Trigeminusneuralgie im Raum, geht es in einem nächsten Schritt zur weiteren Diagnosefeststellung zum Neurologen oder Neurochirurgen.

 

Welche Krankheiten können ebenfalls verantwortlich für Gesichtsschmerzen sein?

Natürlich ist die Trigeminusneuralgie nicht für jede Form von Gesichtsschmerzen verantwortlich. Verwechslungsgefahr kann bei dem Cluster-Kopfschmerz oder Zahnerkrankungen mit Zahnschmerzen statt Trigeminusneuralgie bestehen. Eine stark verspannte Muskulatur von Hals- und Nackenbereich resultiert manchmal in Gesichtsschmerzen, ebenso kann der verursachte Schmerz durch den Trigeminusnerv einer Migräne gleichen.

Außerdem wird zwischen einer Trigeminusneuralgie und einer Trigeminusneuropathie unterschieden. Die Trigeminusneuralgie beschreibt das Beschwerdebild durch Nervenschmerzen, die Trigeminusneuropathie meint hingegen eine Beschädigung des Trigeminusnervs. Die Trigeminusneuropathie resultiert häufig in Taubheitsgefühlen in dem betroffenen Bereich und erleichtert somit die Diagnose.

 

Verfahren für die korrekte Diagnose

Der Neurologe wird zur eindeutigen Bestimmung des Krankheitsbilds beispielsweise eine Computertomografie oder eine Kernspintomografie vornehmen. Die Computertomografie kann Aufschluss über den Zustand der Schädelknochen geben, während die Kernspin- oder auch Magnetresonanztherapie ursächliche Erkrankungen für die Trigeminusneuralgie wie einen Schlaganfall oder die Multiple Sklerose sucht und aufdeckt. Eventuell wird anschließend aus dem Wirbelkanal Nervenwasser mit Hilfe einer feinen Nadel entnommen. Diese Untersuchung kann den Verdacht einer Multiplen Sklerose bestätigen oder ausschließen. Ebenfalls kommt eine Angiografie als Untersuchungsmethode in Betracht – dabei werden die Blutgefäße durch Röntgen untersucht und ein möglicher Druck auf den Trigeminusnerv beleuchtet.

Trigeminus-Behandlung: Hausmittel, Medikamente und mehr

Wurde die Diagnose zweifelsfrei gestellt, geht es an die richtige Therapie der Trigeminusneuralgie – liegt eine Grunderkrankung vor, gilt es zunächst, diese zu behandeln; mitunter auch durch eine Operation (z.B. bei einem Hirntumor). In den anderen Fällen wird meist eine medikamentöse Trigeminusneuralgie-Therapie angestrebt. Auch können in Einzelfällen bei der Trigeminus-Behandlung Hausmittel helfen. Generell zielt die Therapie darauf ab, die Schmerzen zu lindern oder zumindest in einen kontrollierbaren Status zu bringen. Den Betroffenen von seinen Schmerzen komplett zu heilen ist derzeit allerdings noch nicht möglich.

 

Trigeminus-Behandlung durch Hausmittel

Nur selten wird von Ärzten im Bereich der Trigeminus-Behandlung auf Hausmittel verwiesen, da diese die Herkunft der Schmerzen nicht herausfinden oder ausschließlich positiv beeinflussen können. Aber: Das ist auch bei Medikamenten nicht immer der Fall. Deshalb empfehlen wir bei starken Gesichtsschmerzen beispielsweise eine leichte Massage mit Pfefferminzöl auszutesten. Pfefferminzöl wirkt sowohl kühlend, beruhigend als auch erfrischend auf die Haut. Das Öl erweist sich auch in krampflösender Hinsicht als wirksamer Unterstützer – vielleicht tut Ihnen die Massage gut und hilft dabei, die bestehende Anspannung aus Angst vor einer Schmerzattacke zu lösen.

Allgemein fördern Sie Ihr Wohlbefinden durch Wechselbäder oder -duschen, die sich bei Nervenschmerzen unterschiedlichster Art bewähren können. Unser Tipp: Um sich langsam an den Wechsel zwischen heiß und kalt zu gewöhnen, können Sie auch zunächst "Wechselwickel" aus Eisbeutel und Wärmekissen anwenden.

 

Trigeminusneuralgie-Therapie durch Medikamente

Jedoch wird die Trigeminusneuralgie-Behandlung durch Hausmittel nicht immer ausreichen – in diesem Fall kommen Arzneimittel zum Einsatz. Diese lindern die Beschwerden bei einer Trigeminusneuralgie der klassischen Form – also der Krankheit ohne erkennbare Ursache. Gewöhnliche Schmerzmittel wie Diclofenac helfen allerdings nicht. Die meist nur wenige Sekunden andauernden Schmerzattacken kündigen sich schließlich nicht an, sondern kommen plötzlich und unerwartet. Dann ein Schmerzmedikament einzunehmen, dessen Wirkung erst in den nächsten Minuten einsetzen wird, ist natürlich sinnlos.

Daher zielt die medikamentöse Therapie auf die Vermeidung von starken Schmerzattacken. Mögliche Wirkstoffe, die in der Trigeminusneuralgie-Behandlung angewendet werden, sind Oxcarbazepin und Carbamazepin – vielleicht sind Ihnen diese Wirkstoffe bereits aus der Epilepsie-Behandlung bekannt. Wenn Sie über gelegentliche Gesichtsschmerzen klagen, wird oftmals einer der Wirkstoffe verordnet. Bei starken und wiederkehrenden Schmerzattacken sind auch zwei Präparate denkbar.

Eine Alternative zu den genannten Wirkstoffen ist das muskelentspannende Baclofen. Für die akute Trigeminusneuralgie-Therapie eignet sich hingegen Phenytoin. Dieser Wirkstoff wird während der akuten Schmerzattacken über eine Infusion im Krankenhaus verabreicht.

 

Operationen bei starken Gesichtsschmerzen

Sofern die Medikamente nicht (mehr) ausreichend wirken, kann auch eine Operation in Betracht gezogen werden. Der operative Eingriff ist außerdem notwendig, sofern eine Grunderkrankung die Trigeminusneuralgie auslöst und durch eine OP behandelt werden kann.

Es gibt drei mögliche Operationsverfahren für die Behandlung der Trigeminusneuralgie:

  1. Mikrovaskuläre Dekompression: Bei der mikrovaskulären Dekompression wird ein spezieller Schwamm zwischen den Trigeminusnerv und ein auf ihn drückendes Blutgefäß eingesetzt. Dieser soll den Druck von dem Gesichtsnerv nehmen und so Schmerzattacken verhindern. Für das Verfahren muss der Hinterkopf des Patienten geöffnet werden. Der Eingriff eignet sich nur für Menschen mit einem geringen Risiko für Komplikationen bei Operationen.
  2. Perkutane Thermokoagulation: Eine Alternative stellt die perkutane Thermokoagulation dar, bei der eine Sonde durch die Haut zu den Nervenzellenkörpern des Trigeminusnervs geschoben wird. Die schmerzverursachenden Nervenfasern sollen durch chemische Präparate oder lokalen Druck durch mechanische Werkzeuge zerstört werden. Dieses Verfahren kann auch bei Personen mit einem höheren Operationsrisiko durchgeführt werden.
  3. Verfahren der Radiochirurgie: Als schonende Variante wird die radiochirurgische Trigeminusneuralgie-Therapie beschrieben. Durch ein so genanntes "Gamma-Knife" wird der Trigeminusnerv gezielt stark bestrahlt. Er soll auf diese Weise abgestellt werden, wodurch die Gesichtsschmerzen nachlassen. Das Risiko für Komplikationen ist sehr gering, jedoch stehen Langzeitstudien bezüglich des Erfolgs dieser Therapieform noch aus.

 

Infobox: Erfolgschancen der einzelnen Methoden

Generell sollen operative Eingriffe dazu beitragen, dass Gesichtsschmerzen gelindert werden oder langfristig sogar ausbleiben können. Nach dem Eingriff der mikrovaskulären Dekompression sind etwas mehr als 80 Prozent der Betroffenen schmerzfrei, jedoch kann der Gesichtsschmerz zurückkehren. Nach der perkutanen Thermokoagulation können rund 90 Prozent der Patienten über eine schmerzfreie Zeit berichten; langfristig betrachtet sind es jedoch nur noch 50 Prozent. Die radiochirurgischen Verfahren sorgen als alleinige Therapie für maximal 75 Prozent schmerzfreie Patienten, als Folgeverfahren ist die Erfolgsaussicht geringer. Zudem müssen sich die Patienten hier mehrere Wochen gedulden, bis die schmerzfreie Phase einsetzen kann.

 

Triggervermeidung als Behandlung?

Bemerken Sie als Patient mit einer Trigeminusneuralgie, dass die Gesichtsschmerzen häufig in Folge von Berührungen auftreten, sollten Sie versuchen, auf diese zu achten und sie zu vermeiden. Allerdings sollten Sie keineswegs aus Angst vor Schmerzattacken weniger essen oder trinken! Ein gefährlicher Gewichtsverlust oder eine Dehydrierung können dadurch auftreten. Auch sollte bei dem Ansatz der Triggervermeidung bedacht werden, dass viele akute Schmerzphasen ganz ohne speziellen Auslöser auftreten und dementsprechend leider nicht aktiv beeinflusst werden.

 

Hausmittel bei psychischen Folgen (Stress und Depressionen)

Gesichtsschmerzen können Betroffene stark beeinträchtigen, ähnlich wie eine Migräne. Der Trigeminusnerv sorgt mitunter für solch starke Beschwerden, dass der Alltag eingeschränkt wird und Freizeitaktivitäten nicht mehr ausgeübt werden – folglich kann die Trigeminusneuralgie zu erhöhtem Stress und möglicherweise einer Depression führen. Um diesen Faktoren entgegen zu wirken, eignen sich unterstützend in der Trigeminusneuralgie-Behandlung als Hausmittel Baldrian oder Johanniskraut. Die beruhigenden Pflanzenwirkstoffe sind nahezu nebenwirkungsfrei und können dabei helfen, die psychischen Belastungen der Trigeminusneuralgie zu verringern. Sie können Hausmittel als Tee zubereiten und am besten vor dem Schlafengehen trinken. Bei Johanniskraut müssen Sie lediglich auf bestimmte Wechselwirkungen, zum Beispiel mit der Antibabypille, achten.

Ergänzend helfen auch Entspannungsverfahren wie Autogenes Training oder Sport an der frischen Luft, um negative Gedanken und die Angst vor der nächsten Attacke zu vertreiben.

 

Psycho- oder Gruppentherapie als Ergänzung

Leiden Sie aufgrund der Trigeminusneuralgie unter starkem Stress und Depressionen, könnte auch eine Psychotherapie helfen. In einer Gruppentherapie lernen Sie Gleichgesinnte kennen und können Tipps austauschen, wie Sie Ihren Alltag meistern oder mit den Schmerzattacken besser umgehen können. Gleichzeitig pflegen Sie Ihre sozialen Kontakte und verhindern eine krankheitsbedingte Isolation. Dadurch beugen Sie weiterem Stress, Ängsten und letztlich hoffentlich auch den Trigeminusneuralgie-Symptomen vor.

 

Kann man Gesichtsschmerzen eigentlich vorbeugen?

Leider ist es nicht möglich, einer Trigeminusneuralgie vorzubeugen, da die klare Ursache meist fehlt. Ein Risikofaktor ist jedoch die Arteriosklerose, ebenso wie ein höheres Lebensalter.

 

Fazit: Trotz Trigeminusneuralgie positiv im Leben stehen

Die Trigeminusneuralgie ist momentan noch nicht vollständig heilbar. Bei Betroffenen können die Gesichtsschmerzen einmalig auftreten oder immer wieder zurückkehren. Auch die Intervalle unterscheiden sich enorm – so können Attacken im Extremfall beispielsweise stündlich auftreten. Es gibt allerdings auch Patienten, die von einem jahrelangen Ausbleiben der Schmerzen berichten. Doch so oder so sind Sie den Schmerzen nicht gänzlich hilflos ausgeliefert! Durch eine gezielte Trigeminusneuralgie-Behandlung mithilfe von Hausmitteln können allzu starke Attacken verringert werden. Auch der Austausch mit Gleichgesinnten kann Ängsten, Stress und Depressionen durchaus vorbeugen.

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